"Steh auf, ich weise dir den Weg", spricht deine Seele sanft zu dir

Steh auf!

Du darfst straucheln, du darfst fallen. Du darfst, Nein du musst diesen Schmerz in dir fühlen, den, der dich schier zerreißen zu droht. Der, der dir durch Mark und Bein fährt, der, der deinen Boden zum Wanken bringt.

Sie ihn an, von mir aus erstarre, doch dann, dann schreie, schreie ihn heraus den Schmerz, weine ihn heraus, bringe dich an deine Grenzen des Erträglichen.

Und dann, wenn du leer, müde und ausgelaugt bist, keine Träne mehr fließen will, verödet, versandet, gestrandet in dir, im Nichts, dann schließe deine Augen und tauche ein in dieses Nichts.

Stille, kein Gedanke der in deinem Kopf wirbelt und dich mehr verwirrt als erhellt. Höre hinein in diese Stille, dort, dort bist du. Atme sie ein diese Stille, atme!

"Ich habe auf dich gewartet", flüstert es leise in die Stille hinein. "Ich bin deine Seele, deine Urkraft von der du dich entfernt hast, um der Illusion der Trennung Rechnung zu tragen.

Ich bin dein Trost und dein Pflaster, ich bin die Hand in die du fällst, und niemals fällst du tiefer als in dich selbst, in deine Hand, in Gottes Hand."

Kannst du sie spüren, deine Seele, jetzt? Höre nicht auf zu spüren, auch wenn du denkst es nicht ertragen zu können. Auch das ist nur ein Trugschluss. Es sind deine Gedanken, entsandt von deinem Ego, die dir weismachen, dass du nichts mehr in der Hand hast. Dabei bist DU doch diese Hand die alles hält und führt.

Lausche hinein in diese Stille, öffne dein Herz.

"Ich weiß, du hast Angst", flüstert sie sacht deine Seele und ihr liebender Odem streift dein Ohr. Das weißt du, weil Gänsehaut deinen Körper überzieht, immer dann, wenn sie, deine Seele, dein wahres Sein dir zart zuflüstert:" Du kannst nicht tiefer fallen, als in deine Hände"

Glaube nicht deinem Kopf, deinem Diener dem Ego, dass dir sagt das nun alles verloren sei. Du kannst nur verlieren, was dir gehörte. Doch erkenne, dass nichts dir gehört, alles nur sich Selbst und aus sich Selbst heraus entstanden ist und entsteht. Erkenne die Anhaftung, die wenn du festhalten willst, sich aus deinem Leben zurück ziehen muss. Alles ist immer, und alles ist Jetzt, aber nichts ist Dein, und alles doch für dich da, wenn du dich nicht begrenzen lässt."

Der Stille folgt ein Tosen. Die leisen Worte hallen wieder und wieder und beginnen sich zu drehen, einem Wirbelsturm gleich in einem Wasserglas. Du willst sie halten diese Worte, um sie zu verstehen, doch alleine bei dem Versuch sie zu er(be)greifen entschwinden sie auch schon wieder.

Wie soll ich lernen, wenn ich sie nicht verstehe, diese Worte.

"Fühle sie", flüstert sie erneut und in mütterlicher Geduld, "fühle, du musst es nicht mit deinem Kopf verstehen, der ist es der es will. Fühle es in und mit deinem Herzen, es zeigt dir den Weg. Die Liebe ist es die den Weg bereitet, den du dann mit Leben füllen darfst. DEINEM Leben. Nicht das Leben der Anderen, die Verantwortung der Anderen, den Wünschen und Vorstellungen der Anderen. Fühle sie, die Worte die dein Herz ausfüllen. Worte die du mitbekommen hast, die nie verklungen sind, für die du nur taub geworden bist. Deswegen fühle."

Und endlich fällst du, in diese Hand, deine Hand und du fühlst, erneut, doch diesmal nicht mehr den alles vernichtenden Schmerz, sondern das Ende dieses Weges, der sich einzig gabelt, um dir deinen neuen zu bereiten.

Du öffnest deine Augen, noch ist dein Blick durch die vielen Tränen getrübt, aber du richtest dich auf.

"Und nun, steh auf", flüstert erneut dein höchstes Sein in sanftem Ton, "geh, ich weise dir den Weg!"






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