Und die Welt, sie dreht sich weiter, oder: Wann haben wir aufgehört zufrieden zu sein?

Covid-19 - es ist Woche 3 mit Ausgangsbeschränkungen und Masken vor dem Gesicht, die jedem Vermummungsverbot trotzen. Kalenderwoche 14 im Jahr 20 kurz vor Ostern, das Fest, das wir nicht abschaffen, eine Zeit in der mich, in der uns alle, die ganze Welt, ein mikroskopisch kleines Virus in Atem hält. Oder besser uns den Atem nimmt, denn das ist eine seiner Komplikationen - vielleicht damit wir mal den Atem anhalten? Oder das Mutter Erde Luft holen kann, für den nächsten Vernichtungsschlag von uns? Vielleicht auch, dass all die gestressten Arbeitstiere mal die Luft anhalten, um selbige wiedermal um die Ohren wehen zu lassen? In Wahrheit ist es völlig belanglos, warum es was tut, sondern für mich stellt sich mehr und mehr die Frage, WAS es mit uns macht!

"Wir wissen noch nicht, ob ihre Tochter diese Nacht übersteht. Wir haben alles getan, den Rest muss ihr Körper alleine schaffen!"

"Ihre Myome sind explosiv angewachsen, wir müssen vom Schlimmsten ausgehen und sie darauf vorbereiten, dass sie bösartig sind!"

"Es tut uns leid, ein Nerv wurde bei der OP durchtrennt, sie können ihr Bein nicht mehr spüren und nicht mehr vollständig bewegen. Und auch eine weitere OP wegen der Schmerzen ist nur mehr mit ihrem ausdrücklichen Wunsch möglich, da sie einen kompletten Querschnitt bedeutet!"

"Sie haben eine Oberarmplexusparese (vollständige Lähmung des Armes), ein Lagerungsschaden während der OP, da kann man nichts tun, deswegen werden Sie vor der OP aufgeklärt!"

Wenn man solche Sätze hört, dann hört sich für einen Moment die Welt auf zu drehen. Niemandem fällt es auf, dass der normale Gang unseres Erdtrabanten mit dir den Atem anhält, es ist als würde plötzlich die Zeit still stehen. Kurz, ganz kurz bevor sich bei solchen Sätzen deine Welt aus den Angeln hebt, steht sie still. In diesen Momenten beginnt der Akt der Unwichtigkeit, der nur kurz durchbrochen wird durch das Klingeln in deinen Ohren, die diese unsäglichen Worte wieder in deinem Kopf dröhnen und dominieren lassen.

Und die Welt dreht sich weiter, so als wäre nichts geschehen.

Doch für dich hat sich mit ein paar Worten alles verändert. Hattest du zuvor noch Geldsorgen, so sind sie in solchen Momenten so lächerlich wie ein dicklicher, bärtiger Mann in Ringelsöckchen und einem zuckerwatterosa Tutut.

Du hast gerade zuvor erst erfahren, dass der Mann in den du dich verguckt hast verheiratet ist? In dem Moment wo Dinge in deinem Leben passieren, wo kein Lebensstein mehr auf dem anderen bleibt, ist noch nicht einmal mehr der Name dieses Galans von Bedeutung, geschweige denn in welchem Takt er dein Herz schlagen lässt.

Nur langsam stellt man sich der Realität und tut was zu tun ist, wobei man da noch gar nicht von Realität sprechen kann, denn selbst wenn dein Verstand realisiert hat, was diese Sätze zu bedeuten haben, so stehst du im wahrsten Sinn des Wortes neben dir. Ein untrügliches Zeichen davon, dass deine Seele den "Tschüß" angesagt hat, und dich mal kurz mit all der dampfenden Fäkalmasse alleine lässt, um selbst mal in anderen Sphären durchzuschnaufen, Luft zu holen, für die nächsten Vernichtungsschläge die du ihr zukünftig wohl oder übel noch angedeihen lassen wirst.

Nein, man ist deswegen kein böser, oder dummer Mensch, man lernt halt nur gerne auf die harte Tour.

Doch zuvor kommt erst noch die Einsicht und die Rücksicht.

Das Kind erholt sich, langsam kehrt es wieder ins Leben zurück, sucht und findet bestimmt ihren Weg. Die bösartig diagnostizierten Wucherungen im Leib werden mit dem Glauben an sich selbst und unglaubwürdigen Naturheilmitteln besiegt, ebenso wie der Rollstuhl dank der ebenso unglaubwürdigen Naturheilmittel und der unbeirrbare Glaube an die eigene Kraft, gepaart mit der Sturheit eines Maulesels, mit Laufschuhen getauscht wird.

In dieser Phase, der Regenerationsphase, oder der Rekonvaleszenzzeit ist man wirklich, wirklich demütig dankbar.

Da stellt sich nicht die Frage ob der Staat nun für einen verantwortlich ist, sondern nur wieviele Schritte man wohl morgen schafft, oder ob einem das Kind wieder zulächelt. Und man ist stolz wie Oscar wenn man seinen Allerwertesten alleine auf die Kloschüssel hieven kann.

Nein, man klagt niemanden an, in solchen Zeiten des Aufbaus, denn man ist damit beschäftigt kreative Strategien zu entwickeln, um Voranzukommen, jeden Tag ein kleines Stück mehr. Und man ist so unendlich dankbar für all die wundervollen Menschen die einem dabei begleiten, egal ob man nun sein Geschäft dabei verloren hat, oder das 3 Familienhaus, weil nur das eine mehr wichtig ist - wann kann ich wieder alleine, auf meinen 2 Beinen spazieren gehen, oder werde ich noch meine Enkelkinder kennen lernen?

Wenn ich diese Welt verlassen muss, eher als ich es vorhatte, was will ich ihr hinterlassen?

Ein gut gehendes Geschäft? Oder doch lieber ein paar Zeilen, oder Videoaufnahmen für all jene die ich liebe, um ihnen zu sagen, dass sie sich nicht soviel sorgen sollen, sondern einfach mal leben?

Das sie sich an der Sonne erfreuen sollen, und an dem Regen, denn Beide bringen Segen, den Segen des Lebens.

Wäre es nicht besser ihnen eine Frage zu stellen: "Was brauchst du wirklich?"

Dann kommt die nächste Phase, die Phase des Wiederaufbaus, oder des Erhaltens des Status Quo.

Sein Leben wieder zurück zu gewinnen, das ist schon ein Kraftakt, aber ich kann euch versichern, es ist weniger anstrengend als sich wieder irgend etwas anzuhäufen und es aufrecht zu erhalten. All die Dinge die man in Wahrheit nicht braucht, inklusiver falscher Freunde. Nein, nicht der Freund als Mensch ist falsch, sondern die Kompatibilität zu mir als Freund ist nicht mehr gegeben, weil man durch die zuvor gemachten Erfahrungen eine Seelenreife erfahren hat, mit der der Geist, der Verstand noch nichts anfangen kann. Und so greift er zu Altbekannten, dem Materiellen und Oberflächlichen, da kann er sich festhalten, der Verstand, das Ego, denn das braucht er.

Und nun beginnt der Kampf, zwischen dem Materiellem, dem Ego, und dem seelisch, geistigem Aspekt in uns. Und jeder will die Oberhand, die Führung übernehmen, jeder, weil er es besser weiß, die Seele tut es in Liebe, das Ego weil es Angst hat zu verlieren, los zu lassen, weil es Angst hat zu sterben.....

Und dann kam 2020, und die Welt, sie hörte sich einen Moment auf zu drehen, bevor sie aus den Angeln gehoben wurde, um aufs Neue die Worte zu vernehmen: Und die Welt, sie dreht sich weiter.....








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